Fast 300 Kilometer sind sie voneinander entfernt. Die Freiwilligen Feuerwehren aus Röthenbach bei St. Wolfgang und aus Waging am See. Seit genau 33 Jahren pflegen die Feuerwehren aus der Nähe von Nürnberg und vom Waginger See eine große Freundschaft mit gegenseitigen Besuchen. Da im nächsten Jahr das 150-jährige Gründungsfest der FF Röthenbach ansteht, waren sie nun auf der Suche nach einem Patenverein - und wurden in Waging fündig! Allerdings waren die Verhandlungen um die Patenschaft alles andere als ein Zuckerschlecken für die Gäste. Hinzu kam, dass die Waginger Feuerwehr im Vorfeld an dem Tag zu mehreren Einsätzen ausrücken musste. Ein Einsatz beim Brand eines Friseursalons im Waginger Ortskern fand sogar unmittelbar vor dem Patenbitten statt. Wie die Jubilare bereits im Vorfeld darauf hinwiesen, ist die Suche nach einem "Göd" im fränkischen Raum nicht verbreitet. Dennoch war ihnen bekannt, dass dieser Prozess zwar andauern könne, aber geschickte Verhandlungen die Leidenszeit der Niederknienden verkürzen kann. Solch "rudimentäre" Bräuche kenne man in Franken eben nicht, man muss aber trotzdem durch. "Schließlich bereichern die Waginger mit ihrer oberbayerischen Lebensart jedes Fest und ihre Musiker sollen natürlich auch zum Gründungsfest kommen", war von fränkischer Seite zu vernehmen.
Alles begann am Samstag, den 24. Oktober 2026 beim Kameradschaftsabend der Waginger Feuerwehr, als die Röthenbacher begleitet von bayerischen Musikklängen der Musiker Anton Groschack (Harmonika), Konrad Huber (Trompete) und Thomas Pfeffer (Klarinette) mehr oder weniger überraschend in das heimische Feuerwehrhaus einmarschierten. Der Waginger "Zeremonienmeister" Martin Domann, welcher in seiner gekonnt mitreißenden Art durch den Abend führte, begrüßte die Gäste aus Mittelfranken und auch aus Waging. Besonders freute ihnt, dass auch die ehemaligen aktiven Mitglieder, darunter Ehrenkommandant Alois Pfeffer und der ehemalige Zugführer Rainer Mertens mit einem Tisch vertreten waren. Auch der Alt-Kommandant Günther Traub aus Röthenbach war unter den Gästen. Vorsitzender Tobias Buker aus Röthenbach rückte auch dann gleich mit der Nachricht heraus, dass im nächsten Jahr das 150-jährige Gründungsfest abgehalten wird und sie noch einen Patenverein benötigen würden. Da die Waginger bereits vor 25 Jahren Patenverein waren - und man gute Erinnerungen an diese Feste habe - wäre es wunderbar, wenn sie auch dieses mal wieder den "Göd" übernehmen würden.
Martin Domann klärte sie dann über den in Oberbayern üblichen Brauch des Patenbittens auf und ließ auch gleich ansehnliche Holzscheite anliefern. Die Vorstandschaft um die beiden Vorsitzenden Tobias Buker und Sebastian Stadick, Kassier Stefan Förtsch, Schriftführer Bastian Schröppel, Beisitzerin Sabine Ebersberger und den beiden Kommandanten Gerhard Vater und Tilo Bergmann durften dann auch gleich auf den Holzscheiten Platz nehmen. Domann wollte dann auch gleich wissen, aus welchen Gründen die Waginger den Paten machen sollten. Die Gründe der Röthenbacher waren dann die langjährige Kameradschaft bis zu den feschen "Feuerwehr-Boum" aus Waging. Erleichtert sollte die Entscheidung werden, als Tobias Buker schließlich 10 Liter Freibier und 100 Nürnberger Lebkuchen anbot. Auch eine "Fränkische Vesper" fuhren die Röthenbacher auf. Davon ließ sich Domann jedoch nicht beeindrucken und auch weitere 30 Liter Glühwein als Draufgabe überzeugten ihn nicht. Zwischendurch mussten die Röthenbacher bei verschiedenen Geschicklichkeitsspielen ihre Fähigkeiten zum Abhalten eines Feuerwehrfetes beweisen. So galt es über drei Strahlrohre, einen Verteiler und einen Feuerwehr-B-Schlauch Luftballone aufzublasen und auch in einem überdimensionalen Feuerwehr-Schutzanzug, in den sogar zwei Feuerwehrmänner hineinpassten, ihre Fähigkeiten bei der technischen HIlfeleistung und dem dazugehörigen Schneiden eines Holzstammes zu beweisen.
Der ehemalige Röthenbacher Vorsitzende Werner Schröppel erinnerte daran, dass er vor 25 Jahren auch schon auf den Holzscheiten in Waging knien musste. Es wäre - so Schröppel - jetzt auch mal ander Zeit, dass die Waginger zum Patenbitten nach Mittelfranken kommen sollten. Mit einem Schmunzeln erklärte er, dass man in Franken dazu keine Holzscheite verwenden würde, sondern den "Fränkischen Rechen". Da immer wieder sprachliche Unterschiede die Verhandlungen erschwerten, legte er auch großen Wert darauf, dass die "Buam" die "Boum" sind und es nicht "Lebkuacha" heiße, sondern "Lebkou". Schließlich einigte man sich auf 100 Liter Freibier, 20 Liter Wein und ausreichend Bratwürste beim Feuerwehrfest im nächsten Jahr. Martin Domann, welcher auch Fähnrich ist, sollte beim großen Fest "frei gehalten" werden. Auch die Waginger Vorsitzende Laura Neumann freute sich über den erfolgreichen Ausgang des Patenbittens und sagte natürlich zu, dass die Waginger mit einer großen Abordnung im kommenden Jahr erscheinen werden. Nach dem Austausch verschiedener Gastgeschenke lag dann der weitere Verlauf der Veranstaltung in den Händen beziehungsweise Instrumenten der Waginger Feuerwehrmusiker, welche mit Oberkrainer-Titeln und Dixieland-Songs für die musikalische Gestaltung es Abends sorgten. Auch Moderator Martin Domann glänzte mit seinen Löffel-Künsten. Auch die Auswahl der Musikanten hatte einen guten Grund. Schließlich sorgt diese Besetzung, welche aus der Gruppe "Ruperti-Blosn" hervorgeht, seit jeher für den guten musikalischen Ton bei der Veranstaltung der beiden Feuerwehren.
Bericht: Thomas Pfeffer, FF Waging am See
Fotos: Tilo Bergmann, Korbi Haberstetter, Alois Pfeffer, Thomas Pfeffer, Werner Schröppel
