"BMA-Ausgelöste Brandmeldeanlage", lautete die Meldung bei insgesamt zwei Einsatzübungen der Freiwilligen Feuerwehr Waging am See in sogenannter Zugstärke am 12. und 15. Juni 2026. Übungsschauplatz war das Seniorenheim St. Martin in Waging. Das Einsatzszenario war den Übungsteilnehmern bis zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht bekannt, da sie nur über die Auslösung der Brandmeldeanlage von der Integrierten Leitstelle Traunstein informiert worden waren. Automatisch schließen bei einem derartigen Alarm die Brandschutztüren und die Aufzüge fahren in eine Haltestelle im Erdgeschoss, damit diese nicht mehr benützt werden können und somit keinne Gefahr des Steckenbleibens besteht. Am Bedienfeld der Brandmeldeanlage kann dann die Nummer des ausgelösten Rauchmelders lokalisiert werden. Ein zweiköpfiger Atemschutztrupp, der für erste Löschmaßnahmen ausgerüstet war, sowie ein Gruppenführer überprüften dann mittels sogenannter Laufkarten, welcher Rauchmelder ausgelöst hat und ob es sich um einen realen Brand oder um einen Fehl- oder Täuschungsalarm handelt.
Taktisches Ausrücken in bestimmter Reihenfolge
Mit dem Begriff "Zugübung" wird der Einsatz eines sogenannten Löschzuges bezeichnet. Es handelt sich dabei nicht - wie fälschlicherweise oft angenommen wird - um ein Löschfahrzeug, sondern um mehrere Einsatzfahrzeuge mit unterschiedlicher Ausrüstung. Diese können dann taktisch in einer bestimmten Reihenfolge ausrücken und am Schadensort sinnvoll eingesetzt werden. Obwohl alle "rot" sind, hat schließlich jedes Feuerwehrfahrzeug eine bestimmte Ausstattung.
Bei der Waginger Feuerwehr besteht der Löschzug im Regelfall aus dem Einsatzleitwagen (ELW 1), dem Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF 20/16), der Drehleiter (DLA-K 23/12) sowie dem Tanklöschfahrzeug (TLF 16/25). Somit sind schlagkräftige Einheiten mit den benötigten Werkzeugen und Löschmitteln in der Erstphase eines Einsatzes mit dem Eintreffen des Löschzuges bereits vor Ort. Ausgearbeitet wurde die Übung von den Führungskräften Anton Groschack und Thomas Pfeffer in Absprache und Zusammenarbeit mit Pflegeheimleiter Hubert Sailer.
Diese Zugübungen dienen dazu, das Zusammenspiel mehrerer taktischer Einheiten - also verschiedener Mannschaften und Fahrzeuge - zu trainieren. Ziel ist es, bei größeren Schadenslagen Führungskompetenzen zu festigen, die Kommunikation zu verbessern und komplexe Einsatzszenarien routiniert abzuarbeiten, erklärte Anton Groschack. Schwerpunkte seien daher Führungstraining, Funkverkehr und Befehlsübermittlung über mehrere Hierarchieebenen hinweg. Ein Löschzug besteht in der Regel aus 22 Einsatzkräften; in der Praxis kann die Mannschaftsstärke je nach Lage jedoch abweichen. An den beiden Übungen waren neben der Waginger Feuerwehr auch die Freiwilligen Feuerwehren Gaden und Nirnharting beteiligt.
Das genaue Einsatzbild sei den Teilnehmern vorab nicht bekannt gewesen, berichtete Thomas Pfeffer. Dem Zugführer und den anrückenden Kräften war zunächst nur gemeldet worden, dass die Brandmeldenalage des Seniorenheims ausgelöst hatte. Bei der Erkundung stellte sich heraus, dass ein Technikraum im ersten Stock ein Brand ausgebrochen war. Da zwei Arbeiter als vermisst galten, stand zunächst die Personenrettung im Mittelpunkt. Die Fahrzeuge, die zuvor im Bereitstellungsraum an der Salzburger Straße standen, wurden am Treppenaufgang an der Nordseite des Pflegeheims eingesetzt. Im weiteren Verlauf lösten zwei weitere Rauchmelder aus. Ein weiteres Zimmer war verraucht, zudem mussten zwei angenommen bettlägrige Bewohner gerettet werden. Die Brandbekämpfung erfolgte im Innenangriff. Mit der Drehleiter wurde eine Anleiterbereitschaft geschaffen, um einen zweiten Rettungs- beziehungsweise Rückzugsweg bereitzustellen. Die Feuerwehr Gaden stellte die Löschwasserversorgung über einen Überflurhydranten her und konntrollierte weitere Bewohnerzimmer. Insgesamt kamen zehn Atemschutzgeräteträger zum Einsatz. Die Einsatzleitung hatte Maximilian Huber.
Bei der zweiten Übung wurde ein Brand in der Tiefgarage des Pflegeheims angenommen. Die Waginger Kräfte wurden dabei von der Freiwilligen Feuerwehr Nirnharting unterstützt. Auch hier war zunächst nur ein Brandmeldealarm bekannt, der weitere Verlauf bleib den Teilnehmern verborgen. Schwerpunkt war erneut die Rettung von sechs bewusstlosen Personen aus verrauchten Werkstätten und Lagerräumen im Keller. Da ein Zugang über das Tiefgaragentor nicht möglich war, wurde die Lage zusätzlich erschwert. Unter der Einsatzleitung von Michael Schramke waren auch hier zehn Atemschutzgeräteträger im Einsatz.
Realistisch dargestellter Brandrauch
Der realistisch dargestellte Brandrauch wurde beiden Übungen mit einem ungefährlichen Discotheken-Neben dargestellt, der das Werk von Feuerwehrmann Florian Metzger war. Eine Rauchausbreitung konnte aufgrund eines speziellen Rauchvorhangs verhindert werden. Außerdem standen ständige tragbare Belüftungsgeräte bereit. Die Bewohner des Pflegeheims waren zu keiner Zeit in Gefahr und wurden während er Übung auch nicht belästigt. Auch das "Hand-in-Hand-Arbeiten" der Feuerwehren Waging, Gaden und Nirnharting funktionierte tadellos.
Als Fazit stellte sich heraus, dass es durchaus mehrere Möglichkeiten zur Personenrettung und Brandbekämpfung gegeben hätte. "Etwaige Verbesserungsvorschläge werden bei einer Auswertung der Übung noch besprochen", teilten die beiden Übungsorganisatoren Groschack und Pfeffer mit. "Schließlich führen ja immer mehrere Wege nach Rom". Pflegeheimleiter Sailer und Techniker Helmut Bauer zeigten sich bei den Übungen von der Arbeit der Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner sehr begeistert. "Es ist ein sicheres Gefühl, wenn man weiß, dass ehrenamtliche Einsatzkräfte Tag und Nacht zur Sicherheit bereitstehen und im Notfall professionell helfen können", betonte Sailer.
Bericht: Thomas Pfeffer, FF Waging am See
Fotos: Anton Groschack, Thomas Pfeffer, FF Waging am See

